Pressemitteilungen 2016

WTS-Studie rät zu erhöhter Vorsicht bei Betriebsstätten im Ausland

Steuerrisiko außerhalb des OECD-Raums besonders hoch

München, 12/05/2016 – Betriebsstätten entwickeln sich immer mehr zu einem signifikanten steuerlichen Risikofaktor für international tätige Unternehmen. Das bestätigt eine aktuelle Studie* der Beratungsgruppe WTS, die in insgesamt 62 Ländern durchgeführt wurde. Wesentliche Risikotreiber sind der OECD-Aktionsplan gegen Base Erosion and Profit Shifting (BEPS) und der daraus resultierende verstärkte Fokus auf Betriebsstätten-Themen seitens der Finanzverwaltungen.

Das Betriebsstätten-Konzept bildet laut der WTS-Studie in fast allen Ländern eine wichtige rechtliche Grundlage, um ausländische Unternehmen, die in ihrem jeweiligen Territorium tätig werden, zu besteuern. Dabei orientieren sich insbesondere die EU- und OECD-Länder am sogenannten OECD-Modell zur Vermeidung von Doppelbesteuerung (OECD Model Tax Convention). Große Differenzen bestehen dagegen bei Nicht-OECD-Mitgliedern, u. a. den BRIC-Staaten. Nur in sehr wenigen Ländern existiert kein Betriebsstätten-Konzept.

„International tätige Unternehmen jeder Größe sollten bei der Wahl ihrer Geschäftsmodelle und ihrer Organisationsstrukturen stets die lokalen Regelungen zur steuerrechtlichen Behandlung von Betriebsstätten berücksichtigen – vor allem dann, wenn Nicht-OECD-Mitglieder und BRIC-Staaten involviert sind. In diesen Ländern ist die Gefahr sehr groß, unbewusst gegen lokales Recht zu verstoßen und darüber hinaus durch eine mögliche Doppelbesteuerung massiv belastet zu werden“, erklärt Torsten Hopp, Partner bei WTS in Hamburg und Herausgeber der WTS-Studie.

Compliance-Anforderungen steigen durch BEPS

In 80 Prozent der Länder muss eine Betriebsstätte bei den Steuerbehörden angemeldet werden. Wird dies versäumt, sind in der Regel auch Sanktionen zu erwarten.

Trotz OECD-Vorgaben sind die Voraussetzungen für die Begründung von Betriebsstätten zum Teil sehr unterschiedlich. Bereits heute – noch vor den kommenden Neuerungen aus dem BEPS-Projekt der OECD – können Betriebsstätten in 60 Prozent der Länder durch regelmäßige Geschäftsreisen entstehen, ebenso wie durch Home Office-Tätigkeiten (in 80 Prozent der Länder).

Ein sehr großes Risikopotenzial „schlummert“ in den Vertriebsstrukturen. Viele Unternehmen wagen den Marktzutritt im Ausland durch eigene Mitarbeiter und Tochtergesellschaften, die für den Verkauf von Produkten vor Ort mit einer Vollmacht ausgestattet sind. In 80 Prozent der betrachteten Länder reicht dies für die Begründung einer sogenannten Vertreter-Betriebsstätte aus. Die Vertreter-Betriebsstätte steht u. a. deshalb im Mittelpunkt der Diskussion, da viele Unternehmen in der Vergangenheit Gestaltungen gewählt haben, um eine solche zu vermeiden. Im Zuge des BEPS-Projektes der OECD sollen künftig künstliche Vermeidungsgestaltungen nicht mehr möglich sein.

Mit dem BEPS-Aktionsplan möchte die OECD die Betriebsstätten-Schwelle weiter senken. „Es ist zu erwarten, dass die jeweiligen Länder ihr Augenmerk verstärkt auf Betriebsstätten richten werden, um dadurch zusätzliche Steuereinnahmen zu generieren. Unternehmen sollten sich daher noch intensiver mit dieser Thematik auseinandersetzen, um das erhöhte Risiko der ungewollten Begründung einer Betriebsstätte und die damit verbundenen rechtlichen Verpflichtungen (Compliance) zu antizipieren“, so Hopp.

Erhöhte Gefahr der Doppelbesteuerung

In 70 Prozent der betrachteten Länder wird zur Ermittlung, des der Besteuerung unterlegenen Gewinns der OECD-Ansatz AOA („Authorized OECD Approach“) verwendet. Daraus folgt eine gewisse Vereinheitlichung der Gewinnermittlungsregeln. Sollte der AOA aber keine Anwendung finden, insbesondere in Nicht-OECD Ländern, ist das Doppelbesteuerungsrisiko signifikant hoch. „Aus diesem Grund sollten bei einer neuen Betriebsstätte auch unbedingt die Gewinnermittlungsmethoden überprüft werden“, kommentiert Jan Boekel, Partner Transfer Pricing bei der WTS in den Niederlanden.

Die Studie steht hier  für Sie zum Download bereit.

*Die Expertenstudie der WTS basiert auf einer Umfrage in insgesamt 62 Ländern. Hierzu wurden die jeweiligen Ansprechpartner aus dem internationalen Beratungsnetzwerk WTS Global befragt. Die Antworten wurden in einer elektronischen Umfrage ermittelt. Alle hier genannten Details und Informationen entsprechen dem Rechtsstand der jeweiligen Länder für das Jahr 2015, die sich im Zeitablauf ändern können. Die Expertenstudie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, dient allgemeinen Informationszwecken und ist nicht geeignet, eine Beratung im Einzelfall zu ersetzen.

Über die WTS

Die WTS ist eine global agierende Steuerberatungsgesellschaft mit bewusstem Verzicht auf Abschlussprüfung. Das Dienstleistungsangebot wird durch angrenzende Rechtsberatung und umfassende Financial Advisory Services komplettiert. Mit Pioniergeist entwickeln die mehr als 650 Mitarbeiter der WTS innovative und maßgeschneiderte Konzepte, die sie mit hoher Umsetzungskompetenz für ihre Mandanten realisieren.

Die WTS ist in Deutschland an acht Standorten und weltweit über das internationale Netzwerk WTS Global in mehr als 100 Ländern vertreten.

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